Ein Sommer in Sommerby


Von Kirsten Boie.
Ab 10, 320 Seiten
2018, Oetinger, Hamburg
978-3-7891-0883-9
€ 14,00

Ein Sommer in Sommerby ist ein waschechtes All-Age-Buch, das Kinder an der Schwelle von der Kindheit zur Jugend alleine lesen können. Gleichzeitig ist es ein Buch, das Eltern – gerne in den Ferien an der Ostsee – ihren jüngeren Kindern vorlesen können und dabei selbst auf ihre Kosten kommen. Oder sie schenken es den Großeltern, die darin ebenfalls Stoff zum Nachdenken finden.

Über Verantwortung, die stärker als die eigene Bedürftigkeit sein kann, den Dialog zwischen den Generationen, unterschiedlichen Erziehungsstilen, der Sinnhaftigkeit von Arbeit, dem Umgang mit Medien, Geld und Besitz, Vertrauen, Mut, Prahlerei, Einmischungen, den selbstregulierenden Momenten des Lesens, Beziehungen, und und und. Und, statt moralischem Zeigefinger, mit einem liebevollen Blick auf die Hauptfiguren, die ganz unterschiedliches Identifikationspotential bieten.

Phänomenal, wie es Kirsten Boie gelingt, all diese Reflexionsebenen ins Buch hinein zu schreiben. Sie laden Leser*innen unterschiedlichen Alters zum Andocken ein und verwandeln unverbindlich adressierte Worte in persönliche Lesebotschaften. Oder, wie es Kirsten Boie in einem Gastbeitrag für DIE ZEIT, Ausgabe 23 vom 20.05.2018, schreibt:  „(…)Leser haben einen Vorteil: Bücher sind nicht nur Folien dafür, wie wir unser Leben nachträglich interpretieren, sie geben auch Hilfestellung bei Entscheidungen für die Zukunft. Je mehr Geschichten ich kenne, desto mehr Verhaltens- und Lösungsmöglichkeiten, aber auch Risiken habe ich kennengelernt.“

Eine solche Geschichte ist die von Martha und ihren beiden jüngeren Brüdern Mikkel und Mats. Gemeinsam müssen die drei Geschwister unerwartet ihre Ferien bei ihrer Großmutter verbringen, obwohl sie die bis zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht kennen. Weder die Kinder, noch die Großmutter sind davon begeistert, und erleben dennoch den schönsten Sommer seit Jahren, wie sie im Laufe der Ferienwochen feststellen werden. Wem das an dieser Stelle zu wenig Infos sind, dem empfehle ich den Kurzfilm, in dem Kirsten Boie das Buch vorstellt. Oder es gleich zu lesen, es lohnt sich!

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