Erfrischend: Im und auf dem Wasser

[19.6.2018] Der Himmel lacht, die Sonne scheint – wohl dem, dem kühles Nass eine kleine Erfrischung bietet, im Schwimmbad, am Meer, am (Bagger-)See oder beim Betrachten eines der Bilderbücher, die rund ums Wasser ganz unterschiedliche, sogar existenzielle, Geschichten erzählen:

Das blaue Herz des Planeten vom unbedingten Willen der Meeresforscherin Sylvia Earle, die zu mehr Ehrfurcht vor dem Wasser auffordert,
der in Fabelhaftes Meer in einen vielfältigen Erzähl- und Bilderreichtum mündet
oder in Der kleine Schweinswal und das Meer Einblick in das Leben der Schweinswale in der Nordsee bietet.
Die Böckchen-Bande im Schwimmbad erzählt eine freche Schwimmbad-Ferien-Geschichte und eine moderne Adaption des norwegischen Märchens der drei Böckchen Brüse obendrein,
wogegen Noah und die große Flut die Entstehung und Ladung eines Super-Frachters, der auf zerstörerischen Wasserwellen schwimmt, in Paarreimen über die Seiten tanzen lässt.

Fußball-WM: Nominierung

[15.5.2018] Das Rätselraten hat ein Ende. Bundestrainer Joachim Löw gab heute die Nominierungen für den WM-Kader 2018 bekannt. Jubel bei den nominierten Spielern, die sich jetzt beweisen dürfen, um am 7. Juni unter jenen 23 zu sein, die tatsächlich in Russland dabei sein werden. Enttäuschung bei denen, deren Hoffnungen nicht erfüllt wurden. Hoffnung, Jubel und Enttäuschung, wie sie bei jedem Fußballspiel auf der Tagesordnung stehen, sei es auf der großen Bühne des Weltfußballs oder dem kleinen Bolzplatz. Weder da noch dort, weder auf dem Fußballplatz noch im Leben, läuft alles wie geplant. 
Wie wir jedoch „allen Herausforderungen zum Trotz weiterspielen, macht uns zu denjenigen, die wir sind“, schreibt Baptiste Paul im Nachwort seines Bilderbuchs Das Spiel, das ich allen Fußballfans sehr empfehle. Denn, eine weitere Botschaft des Buches ist die verbindende Kraft des Fußballs, die Menschen auf der ganzen Welt miteinander in Berührung kommen lässt. Nicht nur alle vier Jahre, sondern in jedem Verein, an jedem Ort oder in jedem Urlaub, wenn über Sprachgrenzen hinweg Kinder und Erwachsene spontan miteinander Fußball spielen.

Maischberger: Kampfzone Klassenzimmer


[10.5.2018] Am frühen Abend des 9. Mai hielt ich eine Fortbildung für Sprachförderdozent*innen in Heilbronn, am späten Abend schaute ich auf meinem heimischen Sofa Maischberger – die Publikumsdebatte: Kampfzone Klassenzimmer im Fernsehen an. Hörte, staunte und fühlte mich an die Gespräche mit den Fortbildungsteilnehmer*innen erinnert. Bei uns stand nicht das komplexe Thema Schule im Mittelpunkt, sondern „nur“ das Vorlesen (siehe Foto). Dennoch wurden am Ende der Fortbildung wesentliche Aspekte benannt, die auch bei der Publikumsdebatte im Fernsehstudio diskutiert wurden:

Inwiefern können Lehrer*innen die Heterogenität ihrer Schüler*innen berücksichtigen?
Wie viel Zeit stehen zum Lehren, Lernen und zur Vertiefung zur Verfügung?
Was wird von Schüler*innen erwartet, was ihnen angeboten?
Welche Umgangsformen werden gepflegt?
Wie kann der Lernort Schule für alle Partner*innen zu einem Ort werden, der Potenziale fördert und kreative Spielräume ermöglicht?

Anknüpfungspunkte gibt es viele. In der Publikumsdebatte waren sich die Teilnehmenden überraschend einig, selbst wenn sie unterschiedliche Schwerpunkte setzten oder andere Worte wählten. Vermutlich werden die auf theoretischer Ebene auch von Verantwortlichen auf Bundes- und Länderebene geteilt. Die praktische Umsetzung dagegen hieße, öffentlich zu bekennen, dass unser Bildungssystem nicht mehr zeitgemäß sei, seine Grenzen erreicht habe und deshalb Reformbedarf bestünde. Der – langfristig – eine Menge Geld kosten würde, weil nicht nur in die Infrastrukturen von Schule investiert werden müsste, sondern vor allem in Menschen.

Die Grundschüler*innen in Heilbronn haben den Vorteil, dass es eine Stiftung gibt, die Sprachförderdozent*innen ausbildet und finanziert, die mit ihnen in Kleingruppen arbeiten und etliche der Probleme zu überwinden helfen, die sich durch familiale und gesellschaftliche Versäumnisse ergeben. Doch was ist mit Schüler*innen in anderen Regionen? Und, ist es nicht eine ernüchternde Bilanz, dass Schule dauerhaft die Unterstützung qualifizierter Honorarkräfte bedarf? Sich quasi Nachhilfe finanzieren lässt?
Ist das kein Reformgrund?

Lesen: Ungenügend

StZ vom 27.4.2018

[28.4.2018] Wie viele Schülerinnen und Schüler müssen noch ihre unzureichende Lesekompetenz unter Beweis stellen, bevor sich etwas ändert?
Bevor überlegt wird, woher die Schülerinnen und Schüler mit den guten Ergebnissen ihre diskursiven und literalen Qualifikationen beziehen?
Könnte es daran liegen, dass ihnen von Kindesbeinen an regelmäßig vorgelesen wurde? Sie Menschen an ihrer Seite hatten, die ihnen die Tür zur Welt des literarischen Lernens öffneten und sie begleiteten, auch dann noch, als sie längst zur Schule gingen? Sie Zeit zum Lesenlernen hatten und von der Gewissheit begleitet wurden, dass ihnen das gelingen würde, unabhängig davon, wie lange es dauern würde, ein, zwei oder weitere Jahre?
Die wissenschaftlichen Erkenntnisse liegen vor (Verknüpfung von Prozess- und Sozialebene, um Lesen ins Selbskonzept zu integrieren, die zeitliche Dimension des Leseerwerbs), die lustvollen, handlungs- und produktionsorientierten Methoden ebenfalls.
Was fehlt, ist der Mut zur Umsetzung. Denn der setzt die Einsicht voraus, dass der Mangel nicht nur bei den Kindern und Jugendlichen gesucht werden kann, sondern auch im System liegt. Das zu ändern kostet – Zeit und Geld: Mehr Personal (Lehrkräfte, Lese- und Literaturpädagog*innen, weitere Fachkräfte) sowie veränderte Rahmenbedingungen, die lustvolle Zugänge zum Lesen ermöglichen, nicht nur prozessorientierte, analytisch-vergleichende, bei denen die Freude am Tun verloren geht.
Derzeit werden viele Aufgaben ins Ehrenamt delegiert. Wie sähen die Ergebnisse ohne das regelmäßige Engagement der ehrenamtlichen Vorlesepat*innen und Lesementor*innen aus, die ihre Lust und Leidenschaft fürs Lesen weitergeben, und, jahraus, jahrein, Schülerinnen und Schüler begleiten? Vermutlich noch schlechter …
Dennoch kann ehrenamtliches Engagement nicht die Antwort auf ein strukturelles Problem sein, sondern sollte Sahnehäubchen bleiben.

23. April: Welttag des Buches

Auch in meinem Bücherhäusle und der Bücherzelle in Bietigheim wird der Welttag des Buches begangen. Damit die Tauschangebote attraktiv bleiben, gehören ordnen, sortieren und entsorgen regelmäßig dazu. Ich bin gespannt, ob der unermessliche Vorrat an Büchern von Heinz G. Konsalik und Johannes Mario Simmel eines Tages abnehmen wird. Die entsorge ich nämlich, im Bücherhäusle sofort, in der Bücherzelle je nach Platz, weil sie den Blick auf andere, ansprechendere Bücher versperren.

Beim Wort genommen: Mehr Personal an Schulen

[10.4.2018] Ehrenamtliche Lesepat*innen oder Mentor*innen ergänzen Pädagog*innen in Kindertagesstätten, Schulen und weiteren Bildungseinrichtungen, sie übernehmen nicht deren Bildungsaufgaben. Dahingehend äußerte sich auch Bundeskanzlerin Angela Merkel am 10. März auf die Frage, ob künftig vermehrt Eltern oder Ehrenamtliche die Grundkompetenz Lesen vermitteln müssten, und antwortete:

„Ich finde es toll, dass es Ehrenamtler gibt; gerade die Lesepatenschaften sind etwas ganz Großartiges. Das darf uns aber als Staat nicht davon abhalten, für die Grundkompetenzen natürlich selber zu sorgen. Und das ist Ergänzung, das ist wunderschön. Ich danke auch allen, die das machen. Und ich glaube, für viele Kinder, ist das ein Riesenerfahrungshorizont, den sie hinzugewinnen. Aber die Unzulänglichkeiten, um es vorsichtig zu sagen, die es in manchen Schulen gibt, (…) die darf uns nicht ruhen lassen. Sondern da muss auch der Staat dafür sorgen, dass dann im Zweifelsfalle mehr Personal da ist.“

In Zeiten multiprofessioneller Teams in Bildungseinrichtungen können Lese- und Literaturpädagog*innen diesen Personalbedarf decken und Kinder und Jugendliche zum Lesen führen. Sofern Stellen für sie geschaffen werden. Wann werden die Worte der Kanzlerin in die Tat umgesetzt?

Interview Die Kanzlerin direkt #7/2018 (Textversion) und als Podcast:

 

21. März: Welttag der Poesie

[20.3.2018] Wie schön, dass es einen Welttag der Poesie gibt! Von der UNESCO ausgerufen und erstmals im Jahr 2000 begangen, erinnert er an den Stellenwert der Poesie und ihrer vielfältigen mündlichen und schriftlichen Ausdrucksformen.
Die Bedeutung des (Tagebuch-)Schreibens, seine aufbauende Wirkung und die wohltuender Worte, beschreibt  Milena Michiko Flašar in Ich nannte ihn Krawatte (München: btb 2014. S. 130) so:

„Ob ich noch schreibe? Undenkbar, es nicht zu tun. Gerade in der finstersten Nacht waren die Wörter leuchtende Kieselsteine. Das Licht des Mondes und der Sterne, sie hatten es eingefangen und strahlten es wieder aus. Ein Wort war darunter, das besonders hell leuchtete. Das Wort von der Einfachheit. Ich würde mich ihm nähern, leichten Schrittes, es von allen Seiten her betrachten, es schließlich in die Hand nehmen, von ihm verzaubert, erkennen, dass sein Zauber darin liegt, von sich aus, aus seiner schieren Bedeutung heraus, zu leuchten. Einfachheit. Einfach da sein. Es einfach auszuhalten. Je mehr ich es aushielt, desto einfacher wurde es einzusehen, wie schön, einfach schön, es ist, da zu sein.“

Marktplatz: Leipziger Buchmesse

Eiszeit in Leipzig

[15.3.2018] Bücher schaffende, lesende und vermittelnde treffen sich vom 15. – 18. März 2018 in Leipzig, kommen ins Gespräch miteinander, informieren sich, feiern nominierte oder prämierte Bücher, bilden sich weiter, vertreten die Meinungs- und Pressefreiheit oder diskutieren aktuelle Fragestellungen. So auch ich, und zwar bei der Veranstaltung #Leselust -Literaturförderung im (Schul-)Alltag von Jugendlichen am Freitag, den 16. März von 12:00 – 13:00 Uhr in Halle 5, Stand E510.